Ă?ber die Bonjovisierung

Wir alle kennen das PhĂ€nomen. Ein einst (vielleicht) interessanter, kreativer, prosperierender Interpret verwandelt sich nach und nach in einen Musik-Zombie, der hirnlos durch die Feuilletons splattert, uns wie Fliegen in seinem Spinnennetz aus billigen OhrwĂŒrmern fĂ€ngt und unsere Gehirne mit seinem immergleichen Gewaber genĂŒsslich aufweicht, um dann im absoluten Brainfreeze-Nullpunkt unser Konto trockenzusaugen (hier möchte ich ein x-beliebiges, ĂŒberteuertes Bon Jovi-Best Of verlinken, zum Beispiel 100,000,000 Bon Jovi Fans Can't Be Wrong (Limited Edition, 4CD+1DVD). Einhundert Millionen Fans. Soso. 4CDs plus 1DVD. Herb.)

NickelBrain

Nene, also wolln wir nich, zurĂŒck zum Thema: Das PhĂ€nomen der Bonjovisierung. Kein Interpret scheint davor gefeit.
Mancher hat eine Halbwertszeit von nur einem Album, andere schaffen es weitgehend unbeschadet bis zum vierten, doch frĂŒher oder spĂ€ter nickelbackifizieren sie sich alle, fangen an, nur noch sich selbst zu covern, irgendwann klingen alle Songs gleich (leider ist dieses geniale Bon Jovi "It's My Life, so Have A Nice Day" Mashup, das dieses Faktum beweist, in Deutschland mal wieder gesperrt), keinen sollte der Quark also noch interessieren, doch genau dann fĂ€ngt dieser bereits zu oft wiedergekĂ€ute, geschluckte und wieder heraufgewĂŒrgte Brei an, in heavy rotation auf Radio Arabella und Antenne Bayern zu laufen.

Radiosender dieser abstrusen QualitĂ€t mĂŒssen sich ebenso wie die Feullitons sĂ€mtlicher großen deutschen Zeitungen als schuldig am PhĂ€nomen der Bonjovisierung anprangern lassen und darĂŒber hinaus an einem erheblichen Beitrag zur musikalischen Volksverdummung. Ich persönlich hole mir meine bovine spongiforme Enzephalopathie jedenfalls lieber von einem saftigen Steak als durch so einen Bockmist.

Sehen uns wir nun einmal an, wie die Bonjovisierung eines Interpreten ablÀuft. Dazu lohnt es sich, den Wikipedia-Eintrag zu exothermen Reaktionen zu zitieren [mit ErgÀnzungen]:

Die Edukte [=Interpreten] befinden sich zunÀchst in einem metastabilen Zustand [=KreativitÀt].
Durch kurze Zufuhr eines bestimmten Energiebetrags
[=Geld/Fame], der Aktivierungsenthalpie, wird das System in den instabilen Zustand gehoben.
Durch die Aktivierung kommt die Reaktion
[=Bonjovisierung] in Gang und lÀuft ohne weitere Energiezufuhr selbstÀndig ab.
In der Gesamtbilanz gibt das chemische System Energie
[=Zaster] an die Umgebung [=Big 3: Universal, Sony, Warner] ab, sie wird als Reaktionsenthalpie [=dicke Kohle] bezeichnet.
Die Produkte
[=broke Interpreten] befinden sich jetzt in einem stabilen Zustand [=sind bonjovisiert].
Hierbei erwÀhnt Wikipedia leider nicht, dass die Produkte auf einem niedrigeren Energieniveau [=Interessantheitsgrad] liegen als die Edukte.

Aber nicht nur von Haus aus miese Bands wie Bon Jovi, Nickelback oder Linkin Park sind betroffen, auch Bands die ich einst sehr wertschĂ€tzte bzw bei denen ich mich noch an den letzten Zipfel GlaubwĂŒrdigkeit klammere, bevor sie fĂŒr in den Untiefen der Bonjovisierungs-Suhle versinken, namentlich zum Beispiel Red Hot Chili Peppers (seit I'm With You), The Strokes (leider bereits seit First Impressions Of Earth), Mando Diao (spĂ€testens seit dem Apachen-Album aus Karl May's Sammelausgabe), The Zutons, Eagles Of Death Metal... Die Liste ist lang.

Den Vogel schießt allerdings die Omma des Grauens, Madonna ab: Seit mit aggressiver selbst-Bonjovisierung nichts mehr zu holen ist, kopiert sie eben nicht mehr sich selbst sondern andere, lĂ€ngst Linkin geparkte Kreaturen wie Britney Spears. Es bereitet mir geradezu physische Qualen, zuzusehen, wie sich diese ehemalige Königin des Pop zu solcher Gesamtkonzept-Diarrhoe hinreißen lĂ€sst, um ihren bereits weichgekochten Dauerfans (ausser denen wohl niemand das neue Album kaufen dĂŒrfte) noch den letzten Cent aus der Jackentasche zu kramen. Ein Trauerspiel. Madonna belegt damit nach Vladimir Putin Platz zwei auf meiner persönlichen Liste der ĂŒberfĂ€lligen Zwangspensionierungen.

Doch es gibt auch gute Nachrichten. Manchmal scheinen die Musiker es selbst noch rechtzeitig zu bemerken und die Notbremse zu ziehen. Sie verschwinden entweder weitgehend von der musikalischen BildflÀche (Peter Doherty), sterben (Amy Winehouse) oder lösen sich auf (Oasis) und verschonen uns so vor weiterem Braindamage.

Matthias Schmidt, 15.03.2012 20:13 n

Matthias Schmidt

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Chefredaktion | Entwicklung

Mazzekazze ist einer der GrĂŒnder von Tapefruit. Der Architektur­student und K68 Hausbrauer betreibt Tapefruit seit 2008 als Chefredakteur und Program­mierer, fĂŒrderhin feder­fĂŒhrend bei tapebook.de und seinem wichtig­sten Projekt mazzesbier.de

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1. Bonjovine spongiforme Enzephalopathie
2. Dieses Konzept lĂ€sst sich auf wirklich jedes Medium ĂŒbertragen, fĂ€llt mir grad auf.
3. Bonjovi hat um dieses Mashup geradezu gebettelt ^^
4. Das sind alles Marionetten.....

faust, 16.03.2012 13:23:

hahaha, danke fĂŒr die bonjovine s e ^^ enttĂ€uschend, dass mir der nicht selbst gekommen ist :)

Mazzekazze, 16.03.2012 18:07:

^^hervorragend sag ich mal . oder um im internet fachjargon zu bleiben : treu

scheiss_drauf, 16.03.2012 20:08:

In der ganzen Misere darf man die ganzen verzweifelten come-back Versuche nicht vergessen

Kai, 16.03.2012 20:16:

Nice! Ich muss Kai aber zustimmen, Comebacks sind mit vom schlimmsten was man ertragen muss. So oder so ist fĂŒr mich ein weiteres Ă?bel, das nur von dem Schaffen anderer lebt jeglicher Lautenrock aus Irland, der Oasis covert oder son Scheiss. Furchtbar!

SunSon, 17.03.2012 11:54:

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