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Kreisky Interview + Konzert 26.10.

Kreisky haben am Sonntag ein ausgezeichnetes und ausverkauftes Konzert in der Milla gespielt. Mit herausragender Zugabe wurde hier die Tour abgeschlossen ("Die Menschen sind schlecht" war mein Favorit des Abends).

Nach dem Zusammenpacken geben Franz Wenzl (Gesang, Tasten), Martin Offenhuber (Gitarre), Gregor Tischberger (Bass) und Klaus Mitter (Schlagzeug) bei einem Bier freundlich Auskunft.

Kreisky

TF: Ich hab letzte Woche ein Video vom Hader gesehen, in dem er die Kreisky-Zeit als gemäßigte Demokratie bezeichnet hat. [Kreisky lachen]. Ist der Bandname politisch?

Wenzl: "Jein. Wir haben einen Bandnamen gesucht, der halt so ein großer Bandname sein sollte, so einer, der ein bisschen nach was klingt. Also haben wir Wörter ausprobiert."

--Tischberger und Wenzl reden über den nicht genommenen Alternativ-Vorschlag "Erdarsch", alle lachen, unterhalten sich aber nicht ohne Ernst über den Namen. Mitter wirft ein, dass dieser auch als Erdmöbel Rip-Off erscheinen hätte können.--

Wenzl fängt den Exkurs wieder ein: "Auf jeden Fall war es dann irgendwie so, dass ein paar Namen geflogen sind, und ich glaub bei Kreisky war dann so eine Stille, und irgendwie so: 'Ok da sammer jetzt auf einer Goldader, das ist wirklich ein cooler Name'. Er klingt gut, er passt zur Musik. Und man darf nicht vergessen, als wir uns gegründet haben war das in Österreich die Schüssel-Zeit, blau-schwarze Regierung, später dann blau-orange, [Anmerkung: Wolfgang Schüssel, ÖVP, konservativ, schwarz / FPÖ, national, liberal, blau / BZÖ, rechtspopulistisch, orange], und da war irgendwie der Kreisky im Vergleich dazu schon ein positives Signal. Dass da nicht jeder damit kann, ist nur umso cooler eigentlich. Wenn man nicht ins Detail geht, sondern im Großen bleibt, dann hat Kreisky doch Österreich schon weit geöffnet in vielerlei Hinsicht. Für uns ist das schon … ok."

TF: Also hauptsächlich eine klangliche Entscheidung, aber auch ok inhaltlich?

Wenzl: "In erster Line war das eine intuitive Entscheidung. Es hat irgendwie genau die Kanten die es irgendwie braucht. Guter Name einfach."

TF: Ich bleibe beim Österreichischen: Wir haben nächsten Monat in der Milla Den Nino aus Wien und Wanda da. Über Wanda ist sauviel geschrieben worden. Gibt es eine Kreisky Meinung zu Wanda?

Wenzl: "Ich muss sagen, ich hab sie ein bisschen gesehen auf einem Festival, und es hat schon sehr smart gewirkt. Die Wissen irgendwie was für Versatzstücke sie hernehmen und wie sie sie cool zusammen bauen. Ich glaub das ist schon eine sehr gute Band. Aber das ist erstmal eine unfundierte Meinung."

Offenhuber: "Das ist mehr als viele Andere nach vielen Jahren in irgendeiner Art von Band oder Karriere zustande kriegen; wirklich sehr sehr stark. Ich hab sie leider live nur einmal und nicht sehr lang gesehen, das war irgendwie distanziert so am Open-Air in Wien - das war zu weit weg, das hat nicht gewirkt. Aber alles andere wirkt wahnsinnig stark. Der Nino, der Nino ist natürlich schon … da. Der ist ein Fixum. Der ist schon immer da."

Kurz danach wird er noch anfügen "Der Nino hat natürlich schon eine sehr solitäre Position, die er mit Freude bespielt." Er meint "Ich habs lieber wenn der Nino die Deutschland-Karte erschlossen hat als wenn der … ähm..."

TF: Der Gablier?

Offenhuber: "Nein nicht der Gabalier, aber diese ganzen Nachahmungsbands. Ich finde nicht alles gut was er [der Nino] macht, aber er als Figur, und was er macht, und warum er das macht, ist mir tausendmal lieber als diese ganzen Musiken, die mir vielleicht näher sind, aber aus den flaschen Gründen gemacht werden. Da gehts um Nachahmung, da geht’s um eine Art von Imitation die es nicht braucht. Ja? Warum braucht man eine imitative internationale Band die aus Wien kommt? Die könnte aus München oder Augsburg oder irgendwoher kommen, das ist eigentlich Wurscht."

Einleuchtend.

Übergang fällt mir keiner ein, ich stelle die nächste Frage, deren Antwort mich interessiert.

TF: Ich finde eure Musik, die ganze Band, sehr stimmig. Hat es ein Konzept gegeben? Diese Idee füllen wir jetzt aus? Oder hat sich das ergeben?

Wenzl: "Ein Grundkonzept hat es schon gegeben." Tischberger: "Eine vage Idee wie es sein soll." Wenzl: "Ernsthafte Musik. Wir kommen aus verschiedenen Spiel-Richtungen: Homerecording, Elektronik, komische Sachen, Avant-Sachen oder Indierock oder irgendwie sowas."

TF: Elektronik?

Wenzl: "Auch, ja. Der Martin zum Beispiel hat ja auch selbst Instrumente gebastelt und so weiter. Und bei der Geschichte [der Band Kreisky], war dann die Idee: Das soll jetzt eine Rockband sein - im besten Sinne – klassisch; darum auch die Anzüge, ein bisschen ein Dresscode. Groß, ernsthaft auf der Bühne stehen. Wir waren da alle sowas um die 30, da muss man ja ein bisschen umdenken. Das Konzept hats schon gegeben. Und das hat auch sicher zusammengehangen mit dem Zustand von deutscher Popmusik zu der Zeit, die einfach wahnsinnig gefühlig war. Jetzt gibt’s wieder ganz andere Sachen."

TF: Die noch mehr zum kotzen sind.

Wenzl: "Joa auch, eh klar. Wenn man jetzt die großen Sachen anschaut, aber ich meine so im Indie-Pop Bereich. Jetzt gibts halt Ja,Panik, Die Nerven, … . Jetzt gibts schon ein bisschen mehr Sachen die irgendwie interessant arbeiten. Und damals war das dann eher so melodie- und melancholieselig oder sowas, und das wollten wir nicht machen, sondern es war uns schon wichtig, dass das richtig Ecken hat."

TF: Das war das eine Wort das mir eingefallen wär, wenn ich mich auf ein Wort hätte festlegen müssen: kantig.

Wenzl: "Ja, das ist ja ganz gut." Offenhuber: "Das sitzt offenbar in uns drinnen. So ganz locker gehen die runden Sachen nicht von der Hand. Was man aber schon sagen muss, ist das wir trotz aller Sperrigkeit trotzdem immer den Pop-Gedanken drin haben. Wir wollen jetzt nicht die Leute ausperren, die sollen schon ruhig mitmachen."

Wenzl: "Wir habens selber mal so formuliert, dass wir eigentlich eine Popband sind, die mit Rockmitteln arbeitet."

Kreisky sei "rockig" aber habe "einen Popgedanken drinnen, der mit Verfremdung und mit Symboliken und soweiter spielt."

Offenhuber: "Und dann die Catchyness." Wenzl: "Joa klar."

TF: Weil du gerade sagst "Mit 30 muss man umdenken": Ihr habt heute Babystrampler im Merchandise gehabt. [Kreisky lachen]. Ist Kreisky Rock'n'Roll für Erwachsene?

Kurze Stille, dann mehrfaches "Joa".

Tischberger widerspricht aber: "Na. Für Kleinkinder! Wie logisch ist denn das?" [alle lachen]

TF: Das Kleinkind kauft sich nicht selbst den Strampler, sondern die Eltern.

Tischberger: "Ja aber das Kleinkind wird dann vor die Stereoanlage gesetzt weil die Eltern dann die Platten auflegen." Dem Kind würde das taugen "auch wenns so kreischt und zuckt. Das ist irgendwie ganz cool."

Mitterer: "Es ist mittlerweile Musik für alle, ausgenommen zwischen 10 und 22" Tischberger: "Naaa." Wenzl: "Das Stimmt auch wieder nicht unbedingt," Offenhuber: "Aber was stimmt is aufjedenfall, dass interessanterweise grad sehr kleine Kinder auf die Musik abfahren"

TF: Spielt ihr auch vor kleinen Kindern?

Offenhuber: "Bislang wars eher über den Tonträger."

Wenzl: "Der Grundgedanke war in dieser Hinsicht: Musik für uns machen - und wenn man ans Publikum denkt, dann an Gleichaltrige oder sowas. [...] Es war schon irgendwie so, dass die Reflektion die da passiert, die Musik die da passiert, einen Hörer braucht, der natürlich schon ein bisschen Musik gehorcht hat und ein bisschen eigenen Erfahrungen gemacht hat."

Offenhuber: "Wieviele sogennate Indiebands produzieren für ein Publikum zwischen 13 und 18, oder 20 wenns hoch kommt und sind aber selbst jenseits der 30, 40."

Wenzl: "Wenn wer die Sache glaubhaft und aus den richtigen Gründen interessant findet, dann finden wir das natürlich super. Das ist eine gute Kommunikation. Das ist doch so der Auftrag von allem was man macht"

TF: Herzlichen Dank!

Man trinkt das Bier leer. Ich frage Franz Wenzl noch ob er mit der Wenzl verwandt sei; ist er aber nicht (der Sänger war während des Konzerts in einer von mehreren unterhaltsamen Zwischenreden auf 'München als Theaterhauptstadt des deutschsprachigen Raumes' zu sprechen gekommen). Die Band unterhält sich noch kurz über den jüngsten Burgtheaterskandal, dann geht es in den Flaschenöffner. Dort bringt Martin Offenbach noch Fugazi und Ian McKaye generell (ich glaube auch The Evens, aber kann mich nicht mehr erinnern) sowie Nick Cave & The Bad Seeds und Slayer auf den Tisch. Sehr interessant und gedankenvoll alles.

Thomas Schamann

Autor: Thomas Schamann

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Wunderbarer Ehemann und Vater, Schlagzeuger von Brave Young Years und seit den späten 80ern auch Science-Fiction Liebhaber.



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