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Vorschläge für nächste Woche

Jede Woche kannst Du einen Song deiner Wahl für die endlose Tapefruit Playlist vorschlagen.

Zwischenstand dieser Woche

Jeden Tag kannst Du für Deinen Lieblings­song stimmen, indem du auf das jeweilige Herz klickst.

  1. The Black Angels - Half BelievingThe Black Angels - Half Believing
  2. Soviet Soviet - EcstasySoviet Soviet - Ecstasy
  3. ELA ORLEANS - Tumult In CloudsELA ORLEANS - Tumult In Clouds
  4. Tom Misch - Man Like YouTom Misch - Man Like You

Die Liste der Gewinner

Jeden Sonntag ermitteln wir das Ergebnis und der Gewinner wird zur endlosen Playlist hinzugefügt.
Auch du kannst dabei mitmachen: Einfach hier registrieren.

  1. Yellow Days - A Little WhileYellow Days - A Little While
  2. Tatran - EyesTatran - Eyes
  3. Bowery Electric - Slow ThrillsBowery Electric - Slow Thrills
  4. Kurt Vile - Pretty PimpinKurt Vile - Pretty Pimpin

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Musical Radicals I - Zukunft ist jetzt

Clusters in the Air

Ich besuche zur Zeit ein Seminar mit dem Titel Urban Radicals, das sich mit radikalen, teils utopischen Architektur- und Städtebaufantasien von Architekten und Planern vornehmlich aus den 60er und 70er Jahren beschäftigt. Programmatisch sei hierfür das obenstehende Modellfoto zu Clusters in the Air des japanischen Metabolisten Arata Isozaki gezeigt.

Collage

In einem kurzen Referat habe ich die Musik der Zeit untersucht - und zwar entgegen dem ersten Reflex eben genau nicht die auf der zweiten Abbildung gezeigte: Die Musik der erfolgreichsten Künstler und Musicals der 60er, 70er und frühen 80er Jahre. Stattdessen muss man sich, ganz im Sinne des geflügelten Wortes Architektur sei gefrorene Musik (welches in der Regel Schopenhavuer zugeordnet wird) mit Musical Radicals beschäftigen - nur so kann man sich den Urban Radicals angemessen musikalisch nähern.

Braun TG 60

Doch dazu muss ich etwas ausholen: Beginnen wir mit dem Tonbandgerät (hier abgebildet das Braun TG60 von 1965). Das Tonbandgerät wird zwar bereits 1935 erfunden, kostet jedoch ein Schweinegeld und bleibt so vorerst nur Universitäten, Forschungseinrichtungen und großen Firmen erschwinglich. Noch in den 50er Jahren kostet ein Tonbandgerät inflationsbereinigt umgerechnet ca. 2000€ - erst in den frühen 60ern kann der Preis auf ca. 600€ gedrückt werden.
Dadurch wird zum ersten mal einfaches und bezahlbares Aufnehmen, Verzerren und Weiterbearbeiten von Musik ermöglicht.

Synthesizer

Neue, kompaktere Schaltkreise erlauben den Konstrukteuren des Instrumentenherstellers Moog als einem der absoluten Pioniere auf diesem Gebiet die Herstellung noch kühlschrankgroßer Sequencer und Synthesizer - im Laufe der 70er Jahre gelingt die Schrumpfung auf heutige Keyboard-Größe mit dem legendären Minimoog (hier eine sehr lohnende Doku über dessen Erfindung).

Commodore

Drittens: 1971 wird der erste Mikroprozessor hergestellt. Das Computerzeitalter ist damit eingeläutet. Im Laufe der 70er Jahre werden Computer immer bezahlbarer und beginnen, sich in alle Lebensbereiche hinein zu verbreiten.

In dieser Zeit des Aufbruchs wird unheimlich viel experimentiert und vielerorts ist man auf einmal der Auffassung, die Zukunft hätte bereits angefangen und ab sofort gehörten herkömmliche Instrumente ins Museum (sogar im Musikunterricht). Ich möchte empfehlen, dazu diese wunderbare, etwa einstündige BBC-Doku aus dem Jahre 1979 anzuschauen:

Hier gehts zu Teil 2, Teil 3, Teil 4 (unbedingt die ersten paar Minuten davon ansehen! Ein Computer produziert völlig autark Musik.)

In der Doku wird die Frage gestellt "Is this the music of the future?" - und die Antwort aus heutiger Sicht lautet ganz eindeutig "Yes, it is!" Zwar mag man sie als solche kaum noch erkennen, doch nahezu alle heute produzierte Musik greift auf Technologie und Ideen zurück, die von den Musical Radicals in den 60er und 70er Jahren entwickelt wurden.

Klaus Schulze

Für heute möchte ich schließen mit einem Foto nicht von Daft Punk, die den "Wir sind Roboter, weil man für elektronische Musik keine Menschen braucht"-Kram entgegen häufiger Darstellung eben nicht erfunden, sondern von dem Herrn auf dem Foto, Klaus Schulze, kopiert haben. Dieser veröffentlichte 1973 sein bahnbrechendes Synthesizer-Album Cyborg (Mehr zu Klaus Schulze, samt Hörprobe) und wird mit seiner visionären Haltung für mich, ebenso wie Jean Michel Jarre mit seiner legendären Laserharfe (diese Aufnahme stammt von 1990, die Laserharfe war aber bereits ab 1981 auf Tour) zu einer Art Symbol der Musical Radicals, einer musikalischen Generation, die die Zeit der herkömmlichen Instrumente hinter sich lassen wollte, die Zukunft lebte und deren Nachwirkung auf die heutige Musik um ein vielfaches größer ist, als man auf den ersten Blick meint.

Matthias Schmidt

Autor: Matthias Schmidt

mazzekazze@tapefruit.com
Chefredaktion | Booking | Entwicklung

Gründer von Tapefruit. Architekt und Hausbrauer. Betreibt Tapefruit seit 2009 als Chefredakteur, Booker und Program­mierer.

Doktert ansonsten unter dem Pseudonym sigtrygg an verschiedenartiger Musikelektronik herum.



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