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1115 - »Post Europe«

Format: 12" LP / CD
Release Date: 09. Juni 2017
Label: Alien Transistor
im Vertrieb von Morr Music

1115 - Post Europe

Lasst, die Ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!

Dante Alighieri


Die Besten unter den Armen sind niemals dankbar. Sie sind undankbar, unzufrieden, unbotmäßig und aufsässig. Sie haben ganz recht, so zu sein!

Oscar Wilde


Die Eingeweide spannen sich, dehnen sich bis zum Platzen und reissen auf. Alte Schmerzen, die sich tief in sie hinein verkrochen und in die entlegenste Hautfalte hineingewickelt hatten, um dort von ewiger Dunkelheit gehütet zu werden, sie werden wimmernd und jaulend ausgewunden.1 Und der Menschheit ganzer Jammer heult aus der Tiefe des Schalltrichters herauf: Europa... du wieherndes Gespenst! Europa... Verdammnis dieser Erde!2

Aber, wer oder was rollt und grollt denn da so markerschütternd? Der erste Höreindruck mag die verwunschene Klangwelt eines übernächtigen Solisten in Sachen elektronischer Musik suggerieren, doch 1115 sind ein Duo: FEHLER KUTI und GREY liefern uns eine Soundvision, wie sie nur in der Synthese aus der Arbeit zweier radikaler Geister entstehen kann, denken wir nur mal an das Aufeinandertreffen bei Suicide, Yello oder The KLF: Jedesmal ein Pop–Urknall aus conceptual art und Körpermusik.

In der Verschmelzung von FEHLERS lautmalerischen Vocalspuren und den Bass/Orgel/808-Drummachine–Elementen von GREY zu einem integralen Klangbild, dessen Werkcharakter an den Aufnahmeprozess gebunden ist, haben wir eine afrofuturistische Musique concrète vorliegen, die in ihrem psychedelischen Wirkungsgrad kaum härter sein könnte. Völlig hypnotisiert glauben wir irgendwann ein altes Instrumentarium zu hören, verlorengegangen auf einer Schiffspassage im Ozean. Flöten, Spinett und Oboen, die sich im Heliumsdunst aus dem Fegefeuer heraus dem Licht entgegenschrauben. People Get Ready.

Der Plot der vermeintlichen Instrumentalmusik ist, kurz gesagt, eine Geschichte der "Unsichtbarkeit"3 – und wie diese als Negation und Auslöschung erlebte Unsichtbarkeit über die Erfindung4 einer neuen Sprache einen "visuell hörbaren" Ausdruck verliehen bekommt.

Zunächst, um sich zu vergewissern, Teil allen Lärms und aller Qual zu sein5, haben die beiden phantasmatischen Klanghexer eine Überdosis überliefertes Wissen an Black-Atlantic–Kollektiverfahrungen6 hinuntergeschlungen7. Das Säurebad8 der Magensäfte verleiht den Negativbelichtungen der Unsichtbaren erste Konturen, und ein Generationen übergreifendes Gruppenfoto ward erbrochen. Doch der Musikkadaver beginnt zu pulsieren, verbindet sich mit den Obertonchören und dem ephemeren Engelsstaub deportierter Himmelskinder, und ein neues Sprechen wird geboren.

Ein Sprechen, das der Beschreibung eines mehrschichtig übersprühten9, oder sogar eines gänzlich entfernten10, Graffiti gleicht. In dem es aber tatsächlich um die Schilderung der Existenz von Menschen11 geht, die einst gelebt haben, oder auch jetzt leben. Sei es in der Parallelwelt italienischer Plantagen, deren Früchte in Rewe, Lidl, Tengelmann & Co ausliegen. Sei es im Dschungel von Calais12. Sei es in Abgeschobenheit und sozialer Isolation – das europäische Binnenland, das sich den PoC13 öffnet und zeigt, ist eines, das es gar nicht zu geben scheint.

Folgen wir 1115 auf ihrer Underground Railroad14, so entsteht eine Mythologie, die mit jeder Station plastischer wird, zu kartographischer Gestalt auswächst. Eine faszinierende Raumplastik aus Musik! So, wie FEHLER KUTI seine Stimme einsetzt – ohne jeglichen Gebrauch von Sprache im semantischen Sinne – performt er die Rolle vom Invisible Stranger auf eine nicht ganz unähnliche Weise wie, sagen wir mal, Caetano Veloso in Araçá Azul, oder Miles Davis über seine gesamte Karriere hinweg. Denn wenn man verstanden hat, dass Miles Davis mit seiner Trompete–in–Verlängerung–seiner–Stimme nichts anderes tat, als Geschichten von Rassismus als Geschichten vom Fremdsein in der Heimat zu erzählen, dann hat man Post-Europe verstanden.

Post-Europe ist also nicht "nur" Musik, so wie eine Oper15 auch nicht "nur" Musik ist. Mit einem Tiefensog aus Subtext und Schichtarbeit ziehen 1115 Bahnen durch einen Strom, in dem Kollegen wie Arca und Dean Blunt, Drexciya und Dopplereffekt, oder auch Juan Atkins und Moritz von Oswald, Roland Kirk und Sun Ra, schwimmen und schwammen. Aber die Stimmen des Librettos gehören den Namenlosen, den Nicht–Musikern und Nicht–Künstlern, den Wegradierten und Vergessenen. Den Unsichtbaren.

Wenn wir ganz geduldig dem Phonographen beim Abspielen dieser Musik lauschen16, kommen ungehörte Töne zum Vorschein. Mit der Zeit schälen sich Stimmen heraus, lösen sich deutlich ab. Sagen, was sie zu sagen haben, lassen andere Stimmen sprechen. Und dann ist da auf einmal ein Raum... der sich öffnet, der spricht. Tief in ihm drin erklingt ein uraltes Klagelied, in die unsichtbaren Worte gefasst:

What did I do to be so black and blue?

1115 spielen keine Frontalkonzerte. Sie absorbieren Zeit und Raum!17 Im vergangenen Dezember konnte man sie schonmal auf dem legendären Alien–Disko–Festival in den Münchner Kammerspielen erleben. Und noch vor Veröffentlichung dieses Albums haben 1115 Tourdaten quer durch Europa...

Post-Europe wurde ausproduziert von Markus Acher und Cico Beck (The Notwist, Joasihno). Nach den dominanten Spielregeln des Pop dürfte diese Platte gar nicht existieren.18

Die Sirenen dröhnen schon. Der Tanzboden ist kompostiert. Es geht ja jetzt erst richtig los.

Anmerkung:
Fußnoten sind die Töne, die beim Tanzen fallen.


  • 1: vgl. Miles Davis, Aura, Columbia Records, 1989. Ein Vergleich, anhand dem über den Umweg des Erscheinungsjahres von Aura ein Ereignis aus der Zeitgeschichte zitiert wird: der Mauerfall von 1989. Keine drei Jahre später: die Pogrome von Rostock-Lichtenhagen. Der hässliche Deutsche wird im selben Jahr wieder sichtbar, da sich auf der Geschichtslast des sauvage européen (WWI: 20 Millionen Tote, WWII: 50 Millionen Tote) die EU gründet.
  • 2: In Anlehnung an: Frantz Fanon, Les damnés de la terre, Maspero Paris, 1961, dt. Suhrkamp, 1966 ("...Ganze Jahrhunderte hat Europa nun schon den Fortschritt bei anderen Menschen aufgehalten und sie für seine Zwecke und seinen Ruhm unterjocht; ganze Jahrhunderte hat es im Namen seines angeblichen 'geistigen Abenteuers' fast die ganze Menschheit erstickt....")
  • 3: vgl. Ralph Ellison, Invisible Man, Random House, New York, 1952, dt. S. Fischer, 1954
  • 4: vgl. James Baldwin, The Fire Next Time, Dial Press, New York, 1963, dt. Rowohlt rororo, 1964, ("...dass es für die Schrecken des schwarzen Lebens keine Sprache gibt.")
  • 5: vgl. Ralph Ellison, Invisible Man, in der Übersetzung von Georg Goyert, S. 9
  • 6: vgl. Paul Gilroy, The Black Atlantic, Verso, London, 1993
  • 7: In Anlehnung an: Karl Bruckmaier, The Story of Pop, Murmann, Hamburg, 2014, S. 291
  • 8: Ebenfalls 1989: Der Second Summer of Love – Acid-House landet im U.K. Die Roland TR-808–Rhythmusbox, die GREY benutzt, prägt den Sound ebenso, wie sie zuvor schon Hits von Whitney Houston (1987) und Phil Collins (1981) prägte.
  • 9: Ebenfalls 1989: Inspiriert von der Lektüre von Invisible Man, nehmen Queen einen gleichnamigen Song auf.
  • 10: Oder: Was liefert eigentlich der weltführende Bildbandverlag Taschen für Bilder? Blättern wir einmal den 2013 herausgegebenen Fotoband Wirtschaftswunder durch, so bekommen wir das deutsche Märchen vom deutschen Post-War–Wunder serviert. Weder schwarze GIs noch "Brown Babys" stören das Bild, doch vor allem fehlt sie: die Masse der Millionen Arbeiter, genannt Gastarbeiter, die Deutschlands Wirtschaft aufbauten. Kein einziges Foto der Fabrikarbeiter mag sich hier ihrer erinnern. Da sind sie, die Unsichtbaren. Halt! Auf einem einzigen Foto sehen wir einen einzelnen Farbigen – an der Seite einer deutschen Lehrkraft, die ihm Tafelunterricht gibt. Bildunterschrift: "Deutschland gibt sich weltoffen." Das Foto ist eines der wenigen Schwarzweißbilder in diesem Band.
  • 11: Die aus den afroamerikanisch-deutschen Beziehungen entstandenen etwa 4800 Kinder waren in den Besatzungszonen und später in der jungen Bundesrepublik versteckten und offenen Diskriminierungen ausgesetzt - wie auch ihre unverheirateten Mütter, die häufig als "Negerhure" oder "Gefallenes Mädchen" beschimpft wurden. Sowohl bundesdeutsche als auch US-amerikanische Institutionen wirkten darauf hin, die als skandalös empfundenen Beziehungen aufzulösen. Die Soldaten der US-Armee wurden häufig an weit entfernte Orte versetzt oder auch in den Vietnamkrieg geschickt. Es wurde ihnen nahegelegt, ihre deutschen Partnerinnen und Kinder im Stich zu lassen. Die nicht allein erziehungsberechtigten Mütter wurden von den Jugendämtern, die die gesetzlichen Vormünder der offiziell vaterlosen Kinder waren, gedrängt, ihre Kinder in spezielle Heime für "Mischlingskinder" zu geben und später zur Adoption freizugeben. Als 1952 die ersten Kinder in das Alter der Einschulung kamen, wurde das "Problem der Negerkinder" forciert angegangen. Der Großteil der Kinder wurde in die USA und nach Dänemark deportiert und dort adoptiert. Nicht selten wurden diese Kinder allein zu dem Zwecke adoptiert, um für anstrengende Arbeiten zum Nulltarif ausgebeutet werden zu können. Sobald die Mutter eine Einwilligungserklärung zur anonymen Adoption unterschrieb, hatte sie keinerlei Rechte in Bezug auf ihr Kind mehr und es war ihr verwehrt, jemals nach dem Verbleib ihres Kindes zu forschen oder Kontakt mit ihm aufzunehmen. Hunderte der "Brown Babies" wurden so zu afroamerikanischen Adoptivfamilien in den USA verbracht. Das ganze Programm trug den Titel Brown Baby Plan. ("...dieser Mischlingskinder, denen schon allein die klimatischen Bedingungen in unserem Land nicht gemäß sind. Man hat erwogen, ob es nicht besser für sie sei, wenn man sie in das Heimatland ihrer Väter verbrächte...") Luise Rehling (CDU), Bundestagsdebatte, 12. März 1952.
  • 12: Als Dschungel von Calais (franz. jungle de Calais, engl. Calais jungle) wurde eine Zeltstadt nahe der französischen Stadt Calais bezeichnet, die 2002 gegründet worden war. Im selben Jahr wurde in Großbritannien die erste Staffel von I'm a Celebrity... Get Me Out of Here! ausgestrahlt, jenem TV-Format, das als Dschungelcamp populär werden sollte.
    Der Dschungel von Calais wurde als Geschichte im Jahr 2015 von den Medien erfasst, als die Flüchtlingskrise Thema wurde, und dort 10.000 Menschen auf eine Möglichkeit zur Weiterreise durch den Eurotunnel nach Großbritannien warteten. Im Oktober 2016, drei Monate nach dem Brexit, wurde das Camp geräumt und dann geschlossen.
  • 13: Person of Color (Plural: People of Color)
  • 14: vgl. People Get Ready, geschrieben von Curtis Mayfield, 1965 aufgenommen von den Impressions. Die Lyrics besingen die mythische Underground Railroad, keine Bahnlinie im eigentlichen Sinne, sondern eine geheime Route, die den Sklaven aus den Südstaaten einen Fluchtweg in die Nordstaaten offenbarte.
  • 15: Ras The Destroyer ist nach Boris Johnson der finale Antagonist des Invisible Man (die Figur des Ras ist eigentlich Marcus Garvey). In der deutschen Übersetzung von G. Goyert: Ras der Mahner.
  • 16: vgl. Ralph Ellison, Invisible Man, in der Übersetzung von Georg Goyert, S. 15 ff.
  • 17: vgl. Carl Einstein, Negerplastik, Verlag der Weißen Bücher, Leipzig, 1915. ("...Die Negerplastik absorbiert die Zeit, indem sie Elemente, die wir als Geschichte erleben, in anderen Worten: Aktion und Bewegung, in ihre Form integriert. Perspektive oder übliche Frontalität sind hier verboten...")
  • 18: vgl. zu Beyond Yr Black Ark, dem letzten Titel des Albums: Lee "Scratch" Perry missfiel es immer mehr, bei seinen Produktionen auf fremde Aufnahmestudios angewiesen zu sein, daher baute er ab 1973 in Kingston, Jamaika, sein berühmtes Black Ark Studio. Der Sound unterschied sich in jeder Hinsicht radikal von allen anderen seiner Zeit. Perry behauptete, dass er selbst tatsächlich nur vier Spuren aufnehme, "zwanzig weitere habe ich von der außerirdischen Truppe empfangen (...)" . 1979 ging das Studio unter ungeklärten Umständen in Flammen auf.

pico.be, n z Kommentieren d

Keno x Flying Pussyfoot – Paradajz Lost

Keno x Flying Pussyfoot – Paradajz Lost

Die Coop zwischen Keno und Flying Pussyfoot fand hier ja bereits mehrfach Erwähnung (hier zur ersten Single, hier kurz vor dem Release und natürlich hier mit Hater-Drink™) - jetzt läuft die Deutschland-Tour gemeinsam mit Roger & Schu von Blumentopf (R.I.P) - Termine siehe unten.

Nähern wir uns dem Album über das Titel-Artwork: Zwischen Börsen-Stier und -Bär bietet sich ein Blick auf einen kenoesken Adam und seine Eva, die gerade den Appel gepflückt hat. Paradajz Lost, der Name ist Programm: Viele auf dem Cover gezeigte Elemente finden sich in den Texten des Albums wieder - Konsum, Müll, Monokultur, Selfie-Manie - Themen, die in Kenos Texten durchaus öfter auftauchen. Der rote Faden auf Paradajz Lost: Wir leben im Paradies, sind aber derart mit uns selbst beschäftigt, dass uns die Zerstörung desselben erst gewahr wird, wenn es schon zu spät ist.

Flying Pussyfoot lieferte die Beats zu Kenos Lyrics, bediente sich dabei zu meiner großen Freude beim Anadolu Rock der 60er und 70er - einer Strömung, die durchaus einige Nachmittage des YouTube-Durchforstens wert ist, gute Anfangspunkte stellen dazu sicher Erkin Koray, Barış Manço oder Moğollar dar.
Orientalisch aufgeladene Samples, fette Beats und mächtig Bass, das macht Freude, besonders, wenn in ordentlicher Lautstärke mit dicken Kopfhörern oder auf basstarken Speakers goutiert. Leider habe ich die Album-Präsentation in der Milla verpasst - hoffentlich gibt's demnächst nochmal eine Möglichkeit, die Burschen in München live zu sehen!

Shows:
13.11. Freiburg, Schmitz Katze
14.11. Erlangen, E-Werk
19.11. Hannover, Faust – Mephisto
20.11. Hamburg, Prinzenbar
21.11. Augsburg, Kantine

Matthias, n z Kommentieren d

LeRoy - Skläsh

"Wir irren des Nachts im Kreis umher und werden vom Feuer verzehrt"

LeRoy - Skläsh

Foto: Pico Be

Des in seiner Ursprungssprache Latein palindromatischen Rätsels ("in girum imus nocte et consumimur igni") Herkunft (Vergil? Leonardo Da Vinci? Ludwig Grendel d.Ä.?), seine Lösung (Der Teufel? Die Eintagsfliege? Die Jahreszeiten? Der Mensch?) und Wirkung (etwa, ob der Rauch eines brennenden, mit dem Spruch versehenen Papyrus' den Weg zum Stein der Weisen weise [sic!] - ein im Mittelalter kolportierter Aberglaube) beschäftigen seit Jahr und Tag.

Den Autor, Filmemacher, Künstler und Revolutionär sowie Chef-Situationisten und Meister des Dérive Guy Debord sogar derart, dass er dem Sprüchlein seinen Letzten Film (1978 - frz. OV, Untertitel vorhanden), eine recht harsche Medien- und Gesellschaftskritik, widmete.

In diesem Sinne - unbehaftet ist es nicht, das Sprüchlein, das seit neuestem auf der Debütplatte SKLÄSH von LeRoy (out today on Schamoni) haftet. Es sind die Gegensätze und die aus ihnen entstehende Fallhöhe, die das Album auszeichnet: Von der akademisch-akribischen Ebene lateinischer Palindromata zum plakativ-lautmalerischen Titel SKLÄSH treffen hier düstere Sagengestalten auf energische Beats, lange Tracks auf kurze Weile, Komplexität auf Banalität - und das Alles ist ganz wunderbar.

Im Grunde wundert es also niemanden, dass sich im Sleeve eine weiße Schallplatte findet (die richtigen Beobachtungen zur Farbe macht Émilie Gendron auf #munich again)

LeRoy - Skläsh

"Skläsh ist eine Substanz. Schmeißt man sie ein, ist man drin"

Hören wir doch mal durch (man kann das auf SoundCloud tun):

Fast das ganze erste Drittel des Albums nimmt Like A Disease ein, das dem Sound von LeRoys Band das Hobos in seiner reichhaltigen, treibenden Textur am Nächsten kommt.
Darauf folgt Blue Sea mit akkustischer Gitarre und großem, tiefem Hall nachgerade niedlicher Gesangsstimme.
Zum Dérive - oder auch "Irren durch die Nacht" - lädt The Beach mit seiner torkelnden Hawaiigitarre.
Ktulus Return, die Antwort auf den Schwestertrack Call Of Ktulu, ist downright fett. 'Nuff said.
Und dann kommt sie: Die Hymne des Albums. Skai könnte jederzeit zum Titeltrack eines sommerlichen Festivals ausgewählter zart-elektronischer Acts avancieren.
Wer zu Untitled Long Time keinem unkontrollierbaren Hüftschwung erliegt, der muss wohl ein Verwandschaftsverhältnis zu einem Klotz Hartholz besitzen.
Der schöne Closer mit dem schönen Titel Niemals Erwachsen Werden stimmt etwas traurig, dass nach knapp 40 Minuten alles schon wieder vorbei sein soll - zum Glück besitze ich einen Plattenspieler mit automatischer Repeat-Funktion.

Heute Abend, 22.10.2015 ab 19:00 wird der Release von SKLÄSH in der Praxis Dr. Schamoni (Passage Bayerstraße 4/Schützenstraße 5) und im Anschluss, ab ca 22:00 in der Favorit Bar (Damenstiftstraße 12) gefeiert.

Matthias, n z Kommentieren d

Cristian Vogel - Monkey Inc.

Herr Vogel dürfte Techno Kennern weltweit ein Begriff sein. Das Album "Station 55" ist im Jahre 2005 erschienen und enthält bisweilen düstere, experimentierfreudige Sci Fi Tracks, welche es vermögen, den Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Einen der besten Tracks dieses Albums, so finde ich, ist eben "Monkey Inc". Beschwörend. Gebrochen. Eine düstere Geschichte.

Bogie, n z Kommentieren d

g.rag/zelig implosion - tanz no wave

g.rag/zelig implosion - tanz no wave

g.rag/zelig implosion - tanz no wave

Morgen Abend feiert die g.rag/zelig implosion die Plattentaufe ihrer neuen 12" tanz no wave im Import/Export. Dazu haben sie The Grexits und 4 Shades geladen. Heißa, das wird ein Spaß.

Vorab eine kurze Führung druch das Album:

  • All You Want: der Opener des Albums ist ein echter Knaller - kein Wunder, dass das Ding große Erfolgsaussichten in unserem Voting dieser Woche hat.
  • Laktosefrei: der Titel sagt es ja bereits fast - die g.rag / zelig implosion ergründet allerhand Möglichkeiten, sein Leben fader zu gestalten, von rauchfreier Zone bis zu virtuellem Sex.
  • Pawn: Kurze, knackige Powernummer.
  • You: Ist die Ballade auf dem Album. Auf den Pawn hin fast a Bisserl a Downer. Kommt aber an der Stelle recht, denn es folgt:
  • Mambo No.11: Hallöchen? zelig lässt ordentlich scheppern, g.rag tremoliert. Viel Text brauchen die beiden ja sowieso nicht. Dieser, der längste Track auf der Platte, kommt ganz ohne aus.
  • Heartbeat: Irgendwie halt schon Blur - Song Two, aber ohne das ganze "Wohoo"-Epilepi-aber-happy Zeug. YES!
    Und er geht fast nahtlos in den nächsten Kracher über:
  • Limbo Down - lassen wir den für sich sprechen:
  • Diamond: Ich glaube, das ist mein Lieblingswalzer - jedenfalls einer meiner Favoriten auf dem Album. Die Gitarre hatte mich zwischenzeitlich ohrwurmtechnisch arg unter Beschlag genommen.
  • Waterfront: Das ist für mich klassischer Zwei-Mann-Band Sound. Dazu noch diese Gitarre... Ich muss ein bisschen an Johnossi - 18 Karat Gold denken. Ist zwar ganz anders, aber doch irgendwie nah dran.
  • Muskeln: "... reine Kraft wohin man schaut / ich bin stabil und gut gebaut ..."
  • Tucketville: Schöner Closer. Powerchord-Galore. Konsequentes Ende für so einen Track. Starker Schlusspunkt unter ein Album.

g.rag/zelig implosion - tanz no wave

Fred Raspail & g.rag/zelig implosion - La Grappa Du Diable

Auf die Coop 10" der g.rag / zelig implosion mit Fred Raspail und ihren Titelsong La Grappa Du Diable (dessen herrliches Video kürzlich unser Voting abgeräumt hat), hatte ich ja bereits in Tapefruit Print №2 hingewiesen.

An dieser Stelle sei noch mal gschwind nachgehakt: Inzwischen habe ich die Platte gehört. Vier Tracks sind drauf, der Titeltrack wurde gemeinsam geschrieben, zwei Songs stammen aus der Feder von g.rag und einer ( Armer Jonas) aus jener von Fred Raspail. Zu hören ist auf dem Album neben den drei genannten auch Micha Acher's unverkennbares Sousaphon.

La Grappa Du Diable. Scharfes Teil! Macht gehörig Laune.


Weitere Veröffentlichungen bei gutfeeling immanieren. Hervorragende Dinge dabei - demnächst mehr dazu. Vorab so viel:

You go, gutfeeling. You go!

Matthias, n z Kommentieren d

Animal Collective - Painting With

Animal Collective - Painting With

Der Sommer kann kommen: Animal Collective bringen morgen ein neues Album raus, Painting With heißt es und steckt wie gewohnt bis unter die Hutschnur voller Energie. Synthesizer trifft Afrobeat trifft Jodelverein. Wer sich darauf einlässt, kann mit diesem Album sehr viel Spaß haben, auch wegen der Texte - hier einige Zeilen:

"My feet can't cross / the parking lot / the parking lot / is way to hot"

Animal Collective, "Vertical"

"What you think you own, you don't / watch out, the burglars"

Animal Collective, "Burglars"

"I Frankenstein java / with touches of Prada / and corn on the plates / a smear of gardenia / in the fair hair of Sweden"

Animal Collective, "FloriDaDa"

Nach dem offensichtlich vom 100sten Dada-Geburtstag inspirierten FloriDaDa ist letzte Woche das zweite Video vom Album erschienen, zu Golden Girl:

Painting With ist ein klassisches Animal Collective Album: Anfangs verstörend; wenn man den point-of-no-return überquert, gnadenlos suchterzeugend; ab da läuft es Gefahr, sich schnell zu verzehren.

Ich finde es großartig, kann es aber niemandem ernsthaft übel nehmen, wenn er sich von diesem quirligen Album gestresst fühlt.


Animal Collective Live:
04.04.16, Hamburg, Grünspan
05.04.16, Berlin, Postbahnhof


Matthias, n z Kommentieren d

Yorkston / Thorne / Khan - Everything Sacred

Yorkston/Thorne/Khan sind ein (geglücktes) Folk-Experiment aus Schottland/England/Indien.

Yorkston / Thorne / Khan - Everything Sacred

James Yorkston, Jon Thorne & Suhail Yusuf Khan | Foto © Linda Jackson

Yorkston und Thorne, zumindest diese beiden dürften dem Connaisseur zeitgenössischer Musik von der Insel bekannt sein: James Yorkston in erster Linie als Solo-Künstler, dabei aber gern in Kooperationen, zuletzt mit KT Tunstall und Alexis Taylor - generell hat der Mann aber seine Finger im Spiel. Auch die Namen King Creosote und The Pictish Trail fallen in Zusammenhang mit Yorkston immer wieder - alle damals auf dem schottischen Label Fence Collective.
Jon Thorne vor allem in seiner Eigenschaft als Live-Kontrabassist von Lamb, die sich zwischen Elektronik, Trip Hop und Jazz bewegen (hören →). Aber auch der Rest seines Wikipedia-Eintrags liest sich sehr flüssig: Es tauchen hier Namen auf wie Scott Matthews, Badly Drawn Boy oder CocoRosie.
Zu diesen Beiden gesellt sich nun der renommierte Sarangi-Spezialist, Hindustani-Classical & Indian-Fusion Sänger (hören →) und im Übrigen Enkel der Sarangi-Legende Ustad Sabri Khan, Suhail Yusuf Khan aus Neu-Delhi. Und so hört sich das an - Sufi Song:

"Playing together as Yorkston / Thorne / Khan, we tackle a wide array of different sounds and songs. Alongside pieces of our own, there's a fair chunk of improvisation, plus covers of Ivor Cutler's 'Little Black Buzzer' [für das die Irische Sängerin Lisa O'Neill mit ins Boot geholt wurde] and Lal Waterson's 'Song For Thirza'. Jon's jazz back-ground definitely comes to the fore, as does Suhail's devotional singing and outstanding sarangi playing. I just do my best to keep up…" - James Yorkston

Ich glaube, meine Jam auf dem Album Everything Sacred (8 Songs, ca 50 Minuten) ist der Opener Knochentanz [deshalb auch auf der Please Consider-Liste in Tapefruit Print №2], ein fast viertel­stündiges, vorwiegend instrumentales Stück. Aber auch der "traditional indian Beatbox" Einsatz von Khan im Little Black Buzzer (ca 2:15) ist ein Hammer:


Yorkston/Thorne/Khan @ The Internet
Das Album Everything Sacred @ Domino


Matthias, n z Kommentieren d

Porches - Pool

Porches - Pool

Porches - Pool: Dieses Synthpop-Album, das kommende Woche bei Domino erscheint, wirft bei mir folgende Frage auf: Wie kann mir ein Album, das derartig viele Dinge enthält, die ich nicht mehr hören kann/noch nie wirklich mochte nur so gut gefallen?

⚡ Ritt auf der 80s Welle
⚡ Falsett-Gesang
⚡ Saxophon + elektronische Musik
⚡ fiesestes Kommerz-R'n'B-Auto-Getune
⚡ Glitch-Sounds

Und doch: Pool hat sich mir nicht nur kurzfristig in die Ohren gebrannt. Porches schafft es irgendwie, diese *gefährlichen* Elemente mit wunderbar warmen Synth-Flächen, entspannten Beats und einem generellen Gefühl, als wäre die Zeit irgendwann stehen geblieben, zu vermengen. Ich muss zugeben: Ich finde genuin Gefallen an dieser Platte.

Be Apart (oder doch "be a part?" - 3⚡) ist die erste Single vom zweiten Porches-Album. Titeltrack Pool (4⚡) ein ziemlicher Knüller. Der Gitarrentrack Car (2⚡) erinnert mich an die geschätzten Label-Kollegen Ducktails. Shaver (4⚡) Erste Reaktion: Saxophon - really? Aber es sitzt irgendwie. Shape (2⚡) mit dem brachialen Bass mein Favorit auf dem Album.

Tatsächlich hat Aaron Maine mit seiner damaligen Band Space Ghost Cowboys um 2010 schon mal meinen Weg gekreuzt - das Sad Album gefiel mir damals ziemlich gut. Unter dem Namen Porches macht er jetzt allerdings ganz andere Musik - die funktioniert aber nach wie vor bei mir.

Porches - Pool

Aaron Maine aka. Porches | Photo © Jessica Lehrmann

Fun Fact: Dank des Pressebilds wissen wir nun auch, dass Aaron Maine aka. Porches seine Duschvorhänge bei den Schweden kauft (ich hatte mal das gleiche Modell).

Matthias, n z Kommentieren d

King Gizzards New Balloon

Schon wieder etwas neues von King Gizzard & The Wizard Lizzard. Am 13.11.2015 erscheint Paper Mâché Dream Balloon, ein Album mit 12 Liedern in 34 Minuten.

Sehr interessant: der schöne Effekt auf der Stimme ist geblieben, die Musik ist aber komplett mit akustischer Instrumentierung aufgenommen. Gruppenleiter Stu Mackenzie sagt: "Acoustic guitars, flute, double bass, fiddle, harmonica, drum kit, clarinet. Whatever we could find really.”

Ja, es ist sanft, dry, mellow; aber auch sehr wach, und zielstrebig. Zum Beispiel im Titeltrack, oder beim großartigen Trapdoor, das als Chase-OST der Blaxploitationversion von Scooby-Doo taugt.

KING BALLOON.jpg

Das Cover ist keine schlechte Beschreibung. Ähnlich wie der Umschlag aussieht, klingt die Musik, nur dass manchmal auch Nacht oder Grauen ist. Und zum Glück ist es kein Mumford & Sons gefolke.

Hier zur Facebook-Niederlassung der Gruppe.

5000, n z Kommentieren d

Raketenbasis Haberlandstrasse 002

It is happening again. Mit attraktiven Titeln wie Komm Schön Kraule Kraule Machen von Bido Cath oder 16. Januar Ich Träume Immer Am Besten, Wenn Ich Total Krank Bin, Heute (Auszug): 1. Mit Korbi Und Sascha Am S-Bahnhof Jenfeld (Es Gibt Keinen S-Bahnhof Jenfeld): Ins Gebäude Rein, Mehrere Stockwerke Hoch, Kein Zugang Zum Gleis, Aber In Jeder Etage Sind Große Badezimmer. Sascha Hat Sich Nen Bart Waschen Lassen Und Die Haare Hellrot Gefärbt. Es Gibt Da Ein Bahnhofsretaurant In Dem Es Nur Eis, Pudding Und Johgurt Gibt. von Cosmo Woslowki lud 2013 die RH001 den Betrachter der Trackliste zu hören ein. Jetzt heißt es, dem Herrgott sei Dank, Der Skilift Ist Wieder Heil Remix, denn die Scheibe Raketenbasis Haberlandstrasse 002 ist da! Die Zusammenarbeit der Raketenbasis mit Schamoni Musik trägt den Titel gerne als Swap oder auch gegen ein bisschen Geld.

Die Langspielplatte features die folgenden Interpreten: Genoveva DMS, BELP, Mortobello Steril, David Sardelle (siehe diesjähriges Waschmaschinenfest), und Leprozid Pfarrhaus. Wieder nicht mitgewirkt hat der österreichische Botaniker Stephan Endlicher.

Wenn Nihil Baxter aus Batteriesäure wäre! Die Musik glitcht mit Ready-made-Dada, Eingebungen, Fetzen, Mini-Szenen, elektro- nischen Geräuschen, und Loops (Ich musste mal im Sommer Weihnachtslieder schreiben, Hasi Hasi) in dunkle Pools und durch Samples und Überlagerungen (Sunrise Over Japan). Die Stücke fließen alle ineinander.

Den Anfang bildet Gold Für Michelle (Silber Für Leonard, Bronze Für Andre Stade Mix), ein Track der Moderationsfetzen aus einer Miniplaybackshow oder sowas verschranzt. Es ist abwegig und leichtfüßig im Sinn, kommt ohne Gleitmittel in die Ohren und den geneigten Bregen.

Bei Operand Mystique von BELP scheint doch tatsächlich wieder ein bisschen was von der BELP UFO-Beach-Magic durch, auch wenn das Stück gleichzeitig nicht so recht bequem ist. Es passt zu The Knifes Shaking The Habitual, ist aber fragmentierter und wilder. Kill Me ist ebenfalls deutlich BELP, reibt sich an den feuchten Wänden in einem, möglicherweise von einer Präsenz vereinnahmten, Futurismo-Noir Heizungskeller in L.A. 2019.

Eine interessante Reise, die Seite A. B fängt dann wieder mit Fetzen Loop an, wartend auf den Nachtbus in Veddel (610) und springt dann hin und her. Alles super!

Raketenbasis Haberlandstrasse 002

Aufgemerkt: Eine weitere BELP Veröffentlichung ist für dieses Jahr geplant.

5000, n z 1 Kommentar d

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